Ems-Zeitung vom 27.06.2007

Pro Betriebsstunde über 300 Tonnen Kohle

gs/hh Dörpen.
Mit dem nichtöffentlichen Scoping-Termin des Gewerbeaufsichtsamtes Oldenburg im Dörpener Rathaus ist gestern ein weiterer Schritt hin zur Realisierung des geplanten Steinkohlekraftwerkes getan worden. Dabei hat der Investor durch die Firma Fichtner (Stuttgart) umfassende Unterlagen zur Planung, dem Bau und dem Betrieb der 900 Megawatt starken Anlage vorgelegt.

An dem Scoping-Termin nahmen insgesamt knapp 50 Verfahrensbeteiligte des Betreibers sowie von Behörden und Umweltverbänden teil. Sowohl Walter Kulisch vom Gewerbeaufsichtsamt als auch Dörpens Gemeindedirektor Hans Hansen berichteten von einem konstruktiven Informationsaustausch. Kulisch sprach von einem "ordentlichen Schritt" im Hinblick auf den nun zu erstellenden Anforderungskatalog. Gleichwohl sei noch eine Vielzahl formaler Einzelaspekte zu klären, unter anderem in den Bereichen Luftimmissionen sowie Kühlwasserentnahme und -wiedereinleitung. Hansen betonte, dass man noch immer "ganz am Anfang der Prüfung stehe". Die Investorengruppe wolle ihren Antrag in etwa einem Jahr einreichen.

In dem durch die Investorengruppe vorgelegten Scoping-Papier wird eine Vorprüfung der Umweltverträglichkeit durch die Gesellschaft für angewandte Ökologie und Umweltplanung (GefaÖ) aus Walldorf beschrieben. Weiterer Bestandteil sind eine schalltechnische Vorprüfung sowie eine Immissionsprognose Luftschadstoffe der Firma Müller BBM aus Planegg bei München.

Nach EZ-Recherchen werden im Scoping-Papier unter anderem nachfolgende Aussagen zu dem Steinkohlekraftwerk getroffen:
Kohleversorgung: Die Anlieferung soll per Bahn, Schiff oder Lkw erfolgen. Favorisiert wird derzeit die Anlieferung per Bahn oder Binnenschiff. Bei der Versorgung per Schiff ist der Bau einer Entladungsstelle am Küstenkanal vorgesehen. Dort sollen zwei Schiffe mit einer Tonnage von bis zu 1500 Tonnen anlegen und entladen können. Insgesamt werden nach den vorliegenden Schätzungen pro Jahr rund 2,3 Millionen Tonnen benötigt (pro Betriebsstunde 311 Tonnen). Die Berechnungen sehen vor, dass zur Abdeckung der Tagesmengen im Vollbetrieb im Schnitt 7,9 Schiffe Dörpen anfahren müssen. Alternativ sind 8,6 Güterzüge mit 25 Waggons oder 101 Lkw mit 25 Tonnen erforderlich.

Kohlelagerung: Vorgesehen ist ein Lagerplatz für rund 200000 Tonnen Kohle auf einer Fläche von etwa drei Hektar. Damit wird eine Reserve für 27 Tage Volllastbetrieb des Kraftwerkes vorgehalten.

Kühlturm: Der Turm wird rund 150 Meter hoch sein und einen Durchmesser von 65 Metern haben. Pro Stunde werden nach jetzigen Schätzungen rund 2950 Kubikmeter Kühlwasser benötigt. Für das Gros des benötigten Kühlwassers werden derzeit drei Alternativen in Erwägung gezogen: Entnahme direkt am Küstenkanal neben dem neuen Kraftwerk, Entnahme aus dem Küstenkanal unterhalb der Schleuse Dörpen oder Entnahme aus der Ems bei der Schleuse Bollingerfähr.
Luftimmissionen: Das geplante Kraftwerk wird gasförmige Stoffe und Staub über dem Kühlturm ausstoßen. Das Untersuchungsgebiet soll das 50-fache der Kühlturmhöhe umfassen. Damit wird ein Gebiet untersucht, dass bis nach Papenburg, Surwold, Heede und Renkenberge heranreicht. Derzeit ist nach Darstellung der Planer davon auszugehen, dass keine Überschreitungen der gesetzlich zulässigen Grenzwerte erfolgen.

Einspeisung: Die Einspeisung des produzierten Stroms soll direkt in ein 380-kV-Netz erfolgen. Dabei sind drei Varianten im Gespräch: die Anbindung an die Trasse in Diele (ca. 18 Kilometer), die Anbindung in Niederlangen (ca. 24 Kilometer) oder eine Direkteinschleifung in die Leitung Diele-Meppen (ca. 9 Kilometer). Derzeit wird untersucht, inwieweit Dampfauskoppelung und Belieferung angrenzender Industrie möglich ist. 

KEIN ENDLAGER!

 

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